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Ein Leserbrief von Prof. Dr. Wolfgang Preis/Sympathisant der Bürger für Görlitz zum Artikel von Thilo Berger (Bergers Bonbon) mit dem Titel:
„Überflüssiger Namensstreit“ in der SZ-Ausgabe vom 1. Februar 2016

“Die Diskussion ist überfällig!

Im Gegensatz zum Autor des oben genannten Beitrages bin ich der Meinung, dass die Diskussion um eine Namensänderung des Berzdorfer Sees nicht überflüssig, sondern überfällig ist. Es ist für mich ein Beispiel für eine fehlgeleitete politische Diskussionskultur. Worum geht es? Nach meiner Meinung geht es in erster Linie nicht um die Namensbezeichnung des Sees. Es geht darum, die Erinnerungen an das Dorf Berzdorf und seine früheren Bewohner/innen wach zu halten, es geht darum, dass die Anrainergemeinden sich nicht durch die Stadt Görlitz bevormunden lassen möchten, es geht wohl auch ein bisschen um persönliche Kränkungen, ein politisches Kräftemessen, um verletzte persönliche Eitelkeiten.

All dies ist menschlich nachvollziehbar. Kein Mensch möchte sich von anderen bevormunden lassen. Was allerdings auf der Strecke bleibt, ist die politische und wirtschaftliche Vernunft. Was dabei fehlt ist die Einsicht, dass weder die Anrainergemeinden noch Görlitz allein die Region voranbringen können.

Statt eine Win-Win-Situation zum Vorteil der gesamten Region zu schaffen, wird aus lokalpatriotischen und emotionalen Gründen lieber hingenommen, dass es bei dieser Auseinandersetzung nur Verlierer geben kann. Die größten Verlierer bei diesem unschönen Spiel sind die nachfolgenden Generationen. Dabei werden grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge ausgeblendet.

Ich bin nicht sicher, ob Görlitz und die Region es sich leisten können, aus lokalpatriotischen Gründen die Empfehlungen eines international anerkannten Marketingexperten und nahezu aller Investoren zur Umbenennung des Namens einfach in den Wind zu schlagen.

Vieles von dem, was in Görlitz aufgebaut wurde, ist nicht aus eigener wirtschaftlicher Kraft, sondern durch den massiven Zufluss von Fördermitteln und private Investitionen entstanden. Die Fördermittel sind nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden andernorts hart erarbeitet. Investoren gehen nur dahin, wo die Rahmenbedingungen stimmen und ein investorenfreundliches Klima herrscht. Der Berzdorfer See wurde mit einem Millionenaufwand aus Steuermitteln rekultiviert. Die Ausgabe von Steuermitteln ist regelmäßig mit der Forderung verbunden, dass diese der Allgemeinheit zugutekommen. Diese Allgemeinheit geht weit über die Anrainergemeinden hinaus. Es geht bei diesen Millioneninvestitionen nicht ausschließlich darum, für die Bewohner/innen im regionalen Umfeld einen Spazierweg anzulegen oder eine Erinnerungskultur zu pflegen. Was und wem nützt eine Erinnerungskultur, wenn auch künftig junge Menschen Görlitz verlassen, weil sie keine Perspektiven für sich sehen?

Wer für die Region und die nachwachsenden Generationen wirklich etwas tun möchte, der sollte in der Lage sein, über den Tellerrand der kleinlichen lokalen Interessen und Befindlichkeiten hinweg nach vorne zu schauen und den Gesamtzusammenhang zu betrachten. Wenn man das große Ganze ins Auge fasst, wirken der Namensstreit und die Äußerungen einiger Akteure unglaublich provinziell. Bei einer übergeordneten Interessenabwägung erscheint es weder vernünftig noch gerecht, die Interessen einer Minderheit über die Interessen der Allgemeinheit an einer wirtschaftlichen Stärkung der Region zu stellen.

Dabei geht es nicht um “entweder-oder”, sondern um “sowohl-als-auch” Lösungen. Sowohl eine Namensumbenennung als auch eine Erinnerungskultur sind möglich. Das eine schließt das andere nicht aus. Den sicherlicher berechtigten Interessen der ehemaligen Berzdorfer kann auch auf andere Weise, z.B. mit dem Bau eines kleinen Museums, Rechnung getragen werden. Ich wage vorherzusagen, dass in 50 Jahren der bloße Name “Berzdorfer See” für die meisten Besucher/innen des Sees keinerlei Bedeutung mehr haben wird. die entstandenen bzw. nicht entstandenen Arbeitsplätze aber schon. Durch ein Museum wäre hingegen eine dauerhafte und lebendige Erinnerungskultur möglich.

Wer mir nun vorwirft, dass ich komplexe kulturelle und regionalgeschichtliche Fragen auf eine rein ökonomische Betrachtung verkürze, dem sei entgegnet, dass es im Kern um etwas anderes geht. Nicht eine rückwärtsgewandte Abschottung und Durchsetzung von Partikularinteressen, sondern eine zukunftsgerichtete Öffnung zur Welt ist nach meiner Meinung der Weg zu einer erfolgreichen Regionalentwicklung. Das setzt aller dings voraus, dass sich die Beteiligten an einen Tisch setzen und kompromissbreit nach Lösungen suchen. Wenn dies nicht gelingt, sollte eine neutraler Mediator als Vermittler hinzugezogen werden. Eine kluge Politik lebt vom Kompromiss zur Mehrung des Gemeinwohls und nicht von der Durchsetzung partikularer Interessen von Minderheiten. Dabei sollten insbesondere persönliche Kränkungen und Befindlichkeiten eine untergeordnete Rolle spielen.”

Wolfgang Preis

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